Interreligiöse Ruhetage 2016

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Die kürzeste Definition von Religion ist Unterbrechung. Interreligiöse Veranstaltung der Begabtenförderungswerke

Ruhetage: Interreligiöse Kooperationsveranstaltung des Avicenna-Studienwerks, der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk, des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks und des Evangelischen Studienwerks Villigst

Schloss Gollwitz. »Die kürzeste Definition von Religion ist Unterbrechung«. So hat es der katholische Theologe Johann Baptist Metz einmal formuliert. Unterbrechung von Leistungsdruck, vom Hamsterrad, von scheinbaren Sachzwängen und vom kapitalistischen Wachstumswahn.

Wie werden Unterbrechungen und Ruhetage in den verschiedenen Religionen gelebt? Welche Textgrundlagen, Rituale und Gebete gibt es dafür? Was bedeuten sie? Und welche Folgen haben sie für unser tägliches Leben im Unialltag und im Privatleben?

In einem interreligiösen Seminar beschäftigten sich am vergangenen Wochenende rund 40 Stipendiatinnen und Stipendiaten der vier religiös orientierten Begabtenförderungswerke anhand von Vorträgen und Diskussionen mit den verschiedenen religiösen Traditionen. Sie lernten unterschiedliche Rituale kennen und nahmen an den Gebetsritualen der anderen Konfessionen und Religionen teil.

Bilal Erkin, Referent beim Avicenna-Studienwerk, fasst zusammen: »Das Besondere am Freitag ist, dass er im Vergleich zur Bedeutung des Samstags im Judentum und des Sonntags im Christentum vielmehr ein gemeinschaftlicher Aktionstag mit einer spirituellen Rückbesinnung auf sich selbst ist als eine körperliche oder geistige Ruhezeit. Das Seminar bot allen Teilnehmenden eine sehr gute Möglichkeit, dem gemeinsamen Freitagsgebet in einer Moschee in Berlin beizuwohnen und sich über die entsprechenden rituellen Vorbereitungen auszutauschen.«

Ein ganz persönliches Fazit der Veranstaltung zog Charlotte Klein, die Stipendiatin des Cusanuswerks ist: »Diese Ruhetage bedeuteten für mich die Möglichkeit, im Austausch mit jungen Menschen anderer Religionen mehr über deren Glauben und Traditionen zu erfahren, aber auch eigene Vorurteile abzubauen. Dabei ist mir deutlich geworden, wie wichtig es ist, Glaube und Tradition mit konkreten Menschen in Verbindung zu bringen. Außerdem erweiterte die Auseinandersetzung mit Gebetsformen der anderen Religionen mein Verständnis über meinen eigenen Glauben.«

Stefanie Höpfner und Annett Meiners vom Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk sagten abschließend: »Wir sind dankbar für die Möglichkeiten des Kennenlernens, für Neugierde, Offenheit, Respekt und den so nötigen und wichtigen Trialog der monotheistischen Religionen. Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für viele besondere Momente des Gesprächs, des Lachens und des gemeinsamen aufeinander Einlassens und Zugehens.« 

Erkan Binici, Stipendiat des Avicenna Studienwerks, resümierte: »Weil Religiosität in der Gesellschaft oft als etwas ‚Rückständiges‘ gewertet wird, ist es schwierig über solche Themen zu reden. Ich empfand es deswegen sehr angenehm in einem solchen geschützten Rahmen mit Stipendiaten der bekenntnisorientierten Studienwerke über eigene religiöse Erfahrungen,  und Gefühle, über Orte der Ruhe und des inneren Friedens zu sprechen, andere Zugänge zu Gott kennenzulernen und dabei auf Verständnis und auch auf Zustimmung zu stoßen. Ich habe in diesen »Ruhetagen« viel über Gott, verschiedene religiöse Traditionen und noch viel mehr über mich Selbst gelernt.« 

Ähnlich sah es aus Johannes Rupp, Stipendiat des Evangelischen Studienwerks: »Die interreligiöse Tagung »Ruhetage«, das ist ein intensives Ringen ums Verstehen der anderen, aber eben auch um die eigene Identität. Es ist schön und befreiend, in Offenheit unverkrampft über Glauben, Rituale und ihr Erfahren im Alltag zu sprechen.«  

Neben dem Programm blieben genug Zeit und Ruhe zum Kennenlernen, für interreligiöse Begegnungen und zum Austausch im Plenum und in kleinen Gruppen. „Dieser Raum für Austausch ist uns besonders wichtig“, erklärt Dr. Kerstin Söderblom vom Evangelischen Studienwerk: „Nur im Miteinander kann das Verständnis für die andere Religion wachsen.“ Unterstützt wurde die Veranstaltung, die in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz in Brandenburg stattfand, durch den Rita-und-Reiner-Kümmel-Fonds »Naturwissenschaft und Glaube«.

 



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