Sommeruniversität 2021 – F KUNSTWELTEN UND ÄSTHETISCHE ERFAHRUNG

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Seminare:

  

F1/ Achtung, erstaunliche Ansichten! – Kunst aus Afrika in europäischen Vitrinen

Die Eröffnung des Humboldt-Forums 2020 in Berlin wird begleitet von Debatten um Raubkunst, Restitutionen und Rassismus. Diese großen Themen wird das Seminar anhand drei konkreter Beispiele herunterbrechen:

  • Die sogenannten Benin-Bronzen wurden um 1900 von einer britischen Strafexpedition in Benin/Nigeria geraubt. Ihre anspruchsvolle Herstellung forderte das Bild einer primitiven afrikanischen Kunst heraus.
  • Sarah »Saartjie« Baartmann kam um 1800 aus Süd­afrika* nach Europa und wurde als ­»Hottentotten-Venus« bekannt. Ihr Gipsabdruck wurde nach ihrem Tod in europäischen Museen ausgestellt.
  • Sogenannte moderne Makonde-Skulpturen wurden um 1900 von portugiesischen Kolonialisten in Auftrag gegeben, die Darstellungen von Geistwesen wurden nach der Kolonialzeit zur Nationalkunst.

Mittels ethnologischer / kunsthistorischer Literatur werden wir die damaligen und heutigen ­Bilder von Mensch und Kunst diskutieren. ­Leiten wird uns die ethnologische Perspektive: Was tun die Menschen, welche Handlungsmacht haben sie, welche Verflechtungen zeigen sich? Dabei betrachten wir ebenso unsere ­eigenen Interessen und Haltungen. Impulse zum Humboldt-Forum rahmen das Seminar ein.

*Die Länderangaben sind nur ein Schlagwort und beziehen sich auf die heutige Bezeichnung.

Leitung: Franziska Bolz
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 9. August bis 13. August 2021
Dauer: 5 Tage

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F2/ Zwischen Venus de Medici und male gaze – Erotik in der Kunst über die Jahrhunderte hinweg

Im Januar 2018 wurde in der Manchester Art Gallery ein Gemälde von John William Waterhouse aus dem Jahr 1896 kurzzeitig abgehängt. Es zeigt das antike Thema von Hylas, der von Nymphen verführt und ins Wasser gezogen wird. Die Aktion sollte (im größeren Rahmen der MeToo-Debatten) darauf aufmerksam machen, wie allgegenwärtig ein sexualisierter (männlicher) Blick auf den weiblichen Körper in der Kunst ist und wie sehr museale Präsentationen eine solche Wahrnehmung und bestimmte Vorstellungen weiter festschreiben und auratisieren. Die anschließenden, weltweiten Diskussionen um den Fall zeigen: »Erotik in der Kunst« ist, verstanden als ins Bild gesetzte Vorstellungen zu Körper, Gender und Sexualität, ein zentrales Thema – heute ebenso wie schon in Antike, Mittelalter, Früher Neuzeit und Moderne.

Allerdings zielt das Seminar bei allem kontinuierlichen Interesse am Erotischen in der Kunst auf Differenzierungen: Gerade die Themen Körper, Sexualität und begehrender Blick verdeutlichen, welche fundamentalen Veränderungen die Vorstellungen dazu im Laufe der Zeit erfahren haben – und welche unterschied­lichen Wahrnehmungsoptionen es immer gegeben hat. Dies soll an ausgewählten Beispielen und einigen Text(passag)en von der Antike bis heute exemplarisch gemeinsam diskutiert werden – von der Venus Medici über Giulio Romano und Rubens bis zu Jeff Koons, Andrea Fraser und Game of Thrones.

Dabei bieten sich folgende Themenfelder an:

  1. Frauenbilder – Männerbilder
  2. Attraktion, Nacktheit und Scham
  3. Erotik – wozu und für wen?
  4. Der »exotische Körper«
  5. Erotik und Kreativität

Selbstverständlich können die Teilnehmenden auch eigene Vorschläge einbringen.

Leitung: Prof. Dr. Ulrich Pfisterer
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 2. August bis 6. August 2021
Dauer: 5 Tage

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F3/ Zeugnisse von Komponist*innen-Freundschaften, -Feindschaften und gemeinsamer Autor*innenschaft

Konzepte von Freund- und Feindschaften zwischen Komponist*innen sowie die ästhetische Kategorie der Autor*innenschaft formen unsere Vorstellungen von künstlerischem Schaffen und prägen unsere Perspektive auf musikalische Werke. Doch wie können sich Bezugnahmen von Komponist*innen überhaupt manifestieren, unter welchen Vorzeichen lassen sie sich als Zeugnisse auffassen und wie sind sie kulturgeschichtlich zu verorten? Nicht selten wurden kontroverse ästhetische Auffassungen zwischen Komponist*innen zum Antipodentum stilisiert, wie im Falle von Schönberg und Strawinsky. Freund- und Feindschaften zwischen Kom­po­nist*innen sind somit zentraler Gegenstand der Musikgeschichtsschreibung und als schriftliche Zeugnisse Teil des kulturellen Gedächtnisses.

Das Seminar will aus interdisziplinärer Perspektive jene Zeugnisse von Freund- und Feindschaften sowie Kollaborationen in den Blick nehmen, die ebenso kulturelle Bilder von Eigen- und Fremddefinitionen wie auch Horizonte ästhetischer Konzepte und Positionen von Autor*innenschaft offenlegen. Ein Fokus liegt auf dem 19. bis 21. Jh., wobei Konstellationen zwischen Komponist*innen (u. a. Felix und Fanny Mendelssohn, Brahms, Wagner, Cage), Kollaborationen zwischen Schrift­steller­*innen und Komponist*innen (u. a. Hofmannsthal / Strauss, Jelinek / Neuwirth) sowie fiktive Autor*innenschaften (E.T.A. Hoffmann) ausgelotet werden. Zudem sind kollektive Autor­*innenschaften, zum Beispiel jüdischer Kompo­nist­*innen im amerikanischen Exil, aber auch des Publikums als Co-Autor*in Teil des Seminars.

Auf Basis eines pluralistischen Konzeptes werden Forschungsansätze und -diskurse aus Musik-, Literatur- und Kulturwissenschaft, aus Mediengeschichte und Philosophie zusammengeführt. Diskutiert werden soll unter anderem über die Medialität und Materialität von Zeugnissen, Fragen der Ikonisierung von Autor­*innen­schaft und Werk sowie über Strategien der (Un-)Sichtbarmachung, die Ausdruck sind von (Be-)Achtung oder Verachtung.

Leitung: Gabriele Groll
Veranstaltungsort: Haus Villigst

Zeitraum: 16. August bis 21. August 2021
Dauer: 6 Tage

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